Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Psalm 115, 105

 

Liebe Gemeindeglieder,


Kürzlich las ich bei einer Predigtvorbereitung das Vorwort einer Predigthilfe. Der Kollege, der dort öfter schreibt, regt mich immer wieder zum Nachdenken an. So auch diesmal.

Zunächst überflog ich es nur kurz, aber in der Folge mußte ich lange darüber nachdenken.

Er schreibt:

"Liebe Leserinnen und Leser. Der örtlichen Zeitung sagt sie bei Ihrer Vorstellung als neue Gemeindepfarrerin: Sie freue sich auf die Menschen ihrer neuen Gemeinde, denn: Der größte Fan eines jeden Menschen ist Gott." Ein wuchtiger Satz, denke ich sofort.

Und frage mich im Stillen: überhebt sie sich nicht mit ihrer Ansicht über Gott? Gott als "Fan" jedes Menschen? Ich würde schon das Wort "Fan" im Zusammenhang mit Gott nicht gebrauchen. Es wird mir zu häufig genutzt für alles Mögliche. Ich weiß aber, daß es manche gerne mögen von Gott sehr menschlich zu sprechen. Damit vermenschlichen sie ihn auch. Das ist tückisch. Einerseits mag uns Gott so besser verständlich erscheinen, andererseits machen wir ihn klein, fast banal. Er ist dann kein Gegenüber mehr, geschweige denn ein Fremder - er ist dann ein "Fan".

Ist er das denn? Und wenn, warum ist er nicht ein Freund, ein "Vertrauter" oder Begleiter"? Warum muß er ein Fan sein, die ja auch zu Hooligans werden können, wie wir jeden Samstag in vielen Stadien erleben? Wer Menschen Gott nahebringen will, sollte behutsam sein in der Sprache. " (M. Becker, Werkstatt für Liturgie und Predigt, Febr. 2019)

"Wie reden wir von Gott?", ist die Frage die für mich dahinter steht. Darüber mache ich mir immer wieder Gedanken. Was ist in der Grundschule angemeßen, im Konfi-Unterricht, in der Predigt, oder auch im Alltagsgespräch. Trifft das was ich sage den Kern? Ist es nicht vielleicht auch zu platt, zu banal und verbaut eher einen Zugang zu Gott? Wir leben auch in unterschiedlichen "Sprachräumen", Jugendsprache ist eben anders als die Sprache von Eltern, Berufstätigen oder Seniorinnen. Ich persönlich habe z.B. mit dem angesprochenen Begriff "Fan" gar keine so großen Schwierigkeiten, auch wenn ich der Kritik letztlich zustimmen muß.

Wir haben in unserer Gemeinde immer wieder Diskussionen - Lieder, aktuell ein neues Liederbuch. Alte Liedtexte, die für die einen vertraut und wertvoll sind, sind für die anderen unverständlich und leer, vielleicht sogar abstoßend. Moderne Lieder wieder sprechen andere nicht nur wegen der Musik sondern auch wegen der Sprache nicht an. Dann sagt jemand was, und alle sind irritiert, obwohl es doch gar nicht so gemeint war! Viele Konflikte entstehen wegen und über die Sprache.

Und das Problem fängt ja schon in der Bibel an. Es gibt verschiedene Bibelübersetzungen. Die Bilder und Vergleiche der Bibel sind uns zum Teil fremd geworden. Alte Worte, die man damals gebraucht, sagen heute etwas anderes aus. Und dann, verbinden wir ja individuell ganz unterschiedliche Dinge mit Begriffen. Der biblische Begriff des "Vaters" löst bei dem einen Positives aus, bei dem anderen vielleicht das Gegenteil.

Aber oft haben wir ja gar nichts anderes als unsere Sprache. Wir blieben auch das, was man " Schriftreligion" nennt , und eine "Kirche des Wortes" gerade als Evangelische.

Was hilft? Es gelingt ja trotzdem fast erstaunlicherweise immer wieder und andere verstehen uns. Christlicher Glaube wird vermittelt, Inhalte kommen an und werden verstanden! Menschen bekommen ja schon ganz allgemein immer wieder die Rückmeldung: Der oder dem, nehme ich das ab. Egal wie er oder sie es ausdrückt es ist doch glaubwürdig. Mensch und Sprache gehören zusammen und muß auch zusammenpaßen. Wenn wir "authentisch" und ehrlich mit eigener Überzeugung von Gott reden, wie man das nennt, wird es sicher eher ankommen. Man darf auch mal behutsam nachfragen und miteinander überlegen: Wie meinst du das, könnte / müßte man es nicht anders ausdrücken? Der Hinweis des eingangs zitierten Kollegen bleibt wichtig. "Behutsam sein mit unserer Sprache", die Verantwortung wahrnehmen, die darin steckt, das gilt im Alltag und im Blick auf unseren Glauben.

Denn natürlich dürfen wir trotz mancher Schwierigkeit nicht aufhören von Gott zu reden. Das wäre fatal. Und noch eines hilft mir: Nicht zuletzt können wir in Glaubensdingen auch dem Heiligen Geist vertrauen, der auch in dieser Hinsicht wirkt.


Ihr Gemeindepfarrer Bernhard Jaeckel

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